Eine selbstgebaute Vakuum-Bedampfungsanlage
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Seit
ca. 2002 beschäftige ich mich mit dem Gedanken eine kleine Alu-Bedampfungsanlage
zu bauen, um Teleskopspiegel selber bedampfen zu können. Einige Hinweise
über den Aufbau einer solchen Anlage stehen schon in dem Buch "How
to make a Telescope" von Jean Texereau.
James
Lerch hat auch eine Bedampfungsanlage
selbst gebaut, und hier sind noch viele Bilder von seiner grösseren
Anlage:
Im Jahr 2003 habe ich dann zufällig bei Ebay einen Edelstahl-Behälter (Innendurchmesser 40cm) mit passender Turbo-Molekular-Pumpe gefunden und ersteigert. Aber es ist viel Arbeit daraus eine funktionsfähige Anlage zu basteln, und wegen chronischem Zeitmangel ziehen sich die Arbeiten in die Länge... so dass die Anlage leider immer noch nicht fertig ist. |
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Die rechte Hälfte des Kessels kann seitlich weggeschwenkt werden und wird später den zu bedampfenden Spiegel aufnehmen. |
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Ein
Blick in die linke Hälfte des Kessels:
In der Mitte die grosse Ansaugöffnung der Turbopumpe, das ist vereinfacht dargestellt ein extrem schnell laufender Ventilator. Links und rechts zwei kleine Glasfenster für die Reflektionsgrad-Messung. Unten drei Strom-Durchführungen für den (noch nicht fertigen) Verdampfer. Oben
eine Dreh-Durchführung für die Blende. die vor den Verdampfer
kommt.
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Ansicht
von der linken Seite:
In
der Mitte die grosse Turbo-Molkularpumpe mit Luftkühlung, unten geht
es über ein Ventil und einen Metallschlauch zur Vorpumpe (links im
Bild).
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Durch
ein kleines Glasfenster leuchtet ein roter Diodenlaser in die Kammer. Der
Laser ist justierbar so dass er genau die Mitte des Spiegels trifft. Siehe
nächstes Bild...
Oberhalb des Fensters ist die Hochspannungs-Durchführung für die Glimmvorrichtung. |
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und auf der anderen Seite gelangt der reflektierte Laserstahl durch ein
weiteres Glasfenster zu einem Detektor, mit dem der Reflektionsgrad des
Spiegels gemessen wird.
In dem Detektor ist vorne ein Strahlenteiler-Würfel drin, damit man den Laser so justieren kann dass er den Detektor trifft. |
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Oben
sieht man eine Dreh-Durchführung, über die die Blende vor dem
Verdampfer betätigt werden kann.
Der
weisse Kasten darunter ist der Sensor für das Vakuum-Messgerät.
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Hier
sieht man die zweistufige Drehschieber-Pumpe die das Vorvakuum von ca.
1e-3mbar erzeugt. Der Metallschlauch kommt von der Turbopumpe. Am T-Stück
ist oben noch ein Sensor für den Vorvakuum-Druck angeschlossen.
Oben sieht man den Ölnebel-Abgasfilter. |
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Die
beiden Strom-Durchführungen für den Verdampfer, aus massivem
Kupfer mit jeweils 19mm Durchmesser.
Links (rot) das Ventil zwischen Turbopumpe und Vorpumpe. Im
Hintergrund die Vorpumpe.
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Zu Besuch bei der Sternwarte Hamburg-Bergedorf: |
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Im
Jahr 2004 war ich zu Besuch bei der Sternwarte Hamburg-Bergedorf, um mir
die dortige Bedampfungsanlage mal genau anzuschauen und noch einige spezielle
Fragen zu stellen. Am besten ihr lest zuerst die Webseite
der Uni Hamburg, wo die Bedampfungsanlage beschrieben wird.
Ich habe mich bei meinem Besuch besonders auf einige Details konzentriert, die mir noch unklar waren. Hier
sieht man den geöffneten Kessel, der problemlos Spiegel bis 132cm
Durchmesser aufnehmen kann.
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Im Hintergrund der mit einem Kran abgenommene "Deckel" des Kessels. |
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Es
gibt drei mögliche Konfigurationen wie man einen Spiegel bedampfen
kann:
a)
Der Spiegel liegt unten, mit der zu bedampfenden Seite nach oben. Dieses
Verfahren wird in Hamburg angewendet. Das Bild zeigt den Teller wo der
Spiegel draufgelegt wird, und hinten sieht man die grosse Ansaugöffnung
der Öl-Diffusions-Pumpe.
b)
Der Spiegel liegt oben auf einem Ring und wird von unten bedampft.
c)
Horizontale Anordnung, der Spiegel steht senkrecht und wird von der Seite
bedampft.
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Der
untere Teil der grossen Öl-Diffusionspumpe
Für Selbstbau-Projekte würde ich keine Öl-Diffusionspumpe empfehlen. Es gibt gelegentlich bei Ebay relativ preiswerte (ca. 1000 EURO) Turbo-Molekularpumpen, die im Betrieb wesentlich unproblematischer sind. Einfach Vor- und Turbopumpe einschalten und abwarten bis das nötige Vakuum erreicht ist. Bei Öl-Diffusionspumpen braucht man Kühlwasser, das Öl kann durch Kontakt mit der Luft verderben und ist teuer, und es besteht immer die Gefahr dass Ölnebel in die Vakuumkammer gelangen könnte, falls die Kühlfalle mal nicht richtig funktioniert. Egal ob man mit einer Öl-Diffusiondpumpe oder mit einer Turbopupe arbeitet, man braucht in jedem Fall eine Vorpumpe, die das zum Betrieb der Hauptpumpe notwendige Vorvakuum von ca. 1e-2mbar erzeugt. Typischerweise verwendet man eine zweistufige Drehschieber-Pumpe.
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Der obere Teil der grossen Öl-Diffusionspumpe |
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Die
beiden Vorpumpen:
Oben eine Wälzkolben-Pumpe Unten eine Drehschieber-Pumpe mit Ölnebel-Abgasfilter |
| Entfernung
der alten Beschichtung:
a)
Alu-Schicht mit oder ohne SiO2 Schutzschicht:
Removing
the old coating:
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Sehr
wichtig ist die perfekte Reinigung und Entfettung des Spiegels vor der
Beschichtung. Der Spiegel wird zunächst mit einer speziellen Mixtur
eingepinselt, die aus folgenden Zutaten besteht:
100g Calziumkarbonat, 200ml destilliertes Wasser, 50ml Alkohol 90%, 20ml Salmiakgeist Wenn diese Schicht getrocknet ist wird sie mit einem sauberen Papiertuch abgewischt. Danach kommt der Spiegel sofort in die Kammer, das Vakuum wird erzeugt, und dann folgt die weitere Reinigung mit der Glimmvorrichtung. Perfect
cleaning and degreasing of the mirror surface is very important prior to
the coating process. The mirror is painted with a mixture which consists
of these components:
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Die
"Glimmvorrichtung" ist eine dreieckige Metallplatte mit ca. 50cm Kantenlänge.
Sie dient zur Reinigung des Innenraums, nachdem das Vakuum erzeugt wurde.
An diese Platte wird eine Gleichspannung von 5,5kV angelegt, das Netzteil
liefert ca. 250mA. Bitte grösste Vorsicht beim Selbstbau, sowas ist
absolut tödlich.
Durch
die Glimmentladung entstehen schnelle Ionen die auf die Spiegel-Oberfläche
prallen und dadurch die Oberfläche reinigen.
Ich
konnte nicht in Erfahrung bringen ob die Spannung positiv oder negativ
ist. Wahrscheinlich ist das nicht so wichtig, denn aus anderen Literaturquellen
sind auch Glimmvorrichtungen mit Wechselspannung bekannt.
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Über
dieses Steuerpult wird die gesamte Anlage gesteuert:
-- Pumpen -- Vakuum-Messgeräte -- Glimmvorrichtung -- Verdampfer für Alu -- Verdampfer für SiO |
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Einer
der drei Verdampfer für Alu, die im oberen Teil des Kessels nahe an
der Aussenwand sitzen:
Über das dünne Wolfram-Band werden kurze Stückchen von Reinst-Aluminium-Draht gehängt, insgesamt 2.7 Gramm auf 3 Verdampfern. Durch Stromfluss wird das Wolfram-Band erhitzt, so dass das Alu schmilzt und das Wolfram benetzt (wie das Zinn beim Lötkolben). Die Stromversorgung liefert 3 mal 600A bei 6V. Für ein gutes Ergebnis ist es wichtig dass die Beschichtung möglichst schnell erfolgt, typischerweise ist nach ca. 2 Minuten das gesamte Alu verdampft. Zum
Thema Ausheizen:
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Die
Vorrichtung zum Verdampfen von SiO (Siliziummonoxid) befindet sich ebenfalls
im oberen Teil des Kessels.
Das
SiO Granulat wird in das durchlöcherte Metallröhrchen gepackt.
Dann wird das Röhrchen elektrisch bis zur Weissglut aufgeheizt, so
dass das SiO verdampft.
Wenn
die bedampfte Oberfläche später mit Luft in Berührung kommt
dann oxidiert das SiO weiter zu SiO2 (= Quarz).
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Über eine Art Periskop kann man während der Verdampfung des SiO die Spiegel-Oberfläche unter einem flachen Winel beobachten, und wenn ein bestimmter Farbumschlag erfolgt, dann ist die Schicht dick genug. |
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Der
obere Teil des Kessels.
Dort
befinden sich drei Dreh-Durchführungen ins Vakuum hinein, mit denen
die Blenden vor den Verdampftern betätigt werden können.
Das
hellblaue Teil links in Bild ist wahrscheinlich eine Messröhre für
die Vakuum-Messung.
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| Literaturhinweise:
--Sehr informativ sind die Kataloge der Hersteller von Vakuum-Equipment: Leybold, Balzers, Pfeiffer -- Max Pollermann, Bauelemente der Physikalischen Technik -- H. Anders, Dünne Schichten für die Optik -- John E. Mahan, Physical Vapor Deposition of Thin Films -- Jobst H. Kerspe und 7 Mitautoren, Vakuumtechnik in der industriellen Praxis --
Reinst-Metalle: Katalog Fa. Chempur (beste Preise)
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Und wenn man schon mal da ist, dann kann man auch noch das Grab des genialen Erfinders Bernhard Schmidt besuchen. Der Friedhof grenzt direkt an das Gelände der Sternwarte, und das Grab liegt direkt am Zaun mit Blick zur Sternwarte hin. |